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03.09.2014 Veranstaltung ‚Frauen für Frieden – Gegen Gewalt weltweit und in Hanau‘

Im Mittelpunkt einer Veranstaltung zum Anti-Kriegstag der LINKEN in Hanau stand die Rolle der Frau, insbesondere in Zeiten, in denen kriegerischen Auseinandersetzung weltweit zunehmen. Dazu hatte DIE LINKE die Landtagsabgeordnete sowie Mitgründerin und Vorsitzende des Vereines ‚Frauen für Frieden‘ Barbara Cárdenas eingeladen. Mit auf dem Podium saß auch ihre Tochter, Maria Cárdenas, die in verschieden lateinamerikanischen Ländern über die Rolle der dort Lebend Frau geforscht und wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht hat.

Eröffnet wurde der Abend von der Stadtverbandsvorsitzenden der Hanauer LINKEN Gabriele Röhrig, die in ihren Begrüßungsworten auf den Beginn des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren und den Beginn des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren und die derzeitigen Kriege einging. Ihre Worte, das was damals galt, auch heute noch gilt, dass nämlich Kriege nicht einfach über uns kommen, weil sie geplant und vorbereitet werden. Wurde im Laufe des Abends von den Zuhörinnen und Zuhörer geteilt.

Barbara Cárdenas stellte zuerst den Verein ‚Frauen für Frieden‘ und dessen Ziele vor. Gegründet hatte sich der Verein im Herbst letzten Jahres. In ihm sollen Frauen verschiedener Kulturen sich austauschen und voneinander lernen können. Ein Ziel ist es, sich gegen Gewalt, Kriege und die Unterdrückung der Frau durch das Patriachat zu stellen und Lösungsstrategien zu finden. Dazu zählt auch, über die verschiedenen Unterdrückungsarten aufzuklären, die in den verschiedenen Ländern herrschen.  

Neben den Zielen des Vereins stellte Barbara Cárdenas auch Thesen auf, die zur lebhaften Diskussionen führten. Als erstes brachte sie Karl Marx ins Spiel, den sie mit dem Satz zitierte: „Wir müssen uns selbst emanzipieren, ehe wir andere emanzipieren können“. Und somit sei die Forderung nach Emanzipation, als Forderung nach Befreiung anderer und der Selbstbefreiung eher unter dem Gesichtspunkt der Klassenfrage und nicht als Gleichberechtigung der Frau zu sehen. Dies belegten auch Beispiele aus Ländern, die sich in einer linken bzw. sozialistischen Tradition sehen und in denen nicht selten über Jahrzehnte hinweg Bürgerkriege stattgefunden hatten. In diesen Ländern werden Frauen als Befreiungskämpferinnen zwar anerkannt, aber nicht selten mussten diese dann zu Friedenzeiten, um ihre Gleichberechtigung in der Gesellschaft kämpfen.  

Maria Cárdenas berichtete über ihre Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren gesammelt hatte. Unter anderem über die Langzeit folgen von Gewalt und der Friedens- und Konfliktforschung. Dazu nahm sie sich Zeit, verschiedene Rollen der Frauen zu beleuchten. Gerade in Kriegen seien Frauen nicht nur Opfer durch Vergewaltigung und Sexsklavinnen, was als Kriegsinstrument und zu Demoralisierung eingesetzt werden. Frauen werden auch schon als Kindersoldatin missbraucht, die selbst Kriegsverbrechen begehen oder sie sind selbst Kämpferinnen, die sich an einer kriegerischen Auseinandersetzung beteiligen oder selber schützen müssen und deshalb auf Gewalt zurückgreifen. Maria Cárdenas vertiefte die Rolle der Frauen dahingehend, dass sie von „Frauen als Freiwild“ sprach. Nach ihren Studie seien Frauen nicht nur in Kriegen psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt, sondern auch danach, nämlich der häuslichen Gewalt der zurückkehrenden Männer, die zuvor als Soldaten im Krieg gemordet hatten. Die Frage, warum es Frauen gibt, die trotz der ihnen angetanen Gewalt zwar aus dem Land fliehen, dann aber bei ihren Männer bleiben und häusliche Gewalt erleben, erklärt sich Maria Cárdenas damit, dass diesen Frauen diese Struktur noch Sicherheit gibt und sie deswegen in ihrem Rollenverständnis bleiben.      

In der darauf folgenden Diskussion, wurde auch auf die Trümmerfrauen des 2. Weltkrieges Bezug genommen. Diese haben mit ihrer Aufbauarbeit viel geleistet und trotzdem mussten die Frauen darum kämpfen Gleichberechtigt im Grundgesetz verankert zu werden. Süffisant wurde in der Runde festgestellt, dass sich ja gerade die CDU vehement gegen die Gleichberechtigung der Frauen währt und heute es eine Bundeskanzlerin und Verteidigungsministerin der CDU gibt. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass durch den Wegfall der Wehrpflicht und dass Soldatinnen im Ernstfall mit ihren männlichen Kameraden in den Krieg ziehen müssen, nicht etwa Geschlechtergleichberechtigung ist, sondern die bestehende Ungerechtigkeit und  Machtverhältnisse eher zementieren.

Ein großen Raum nahmen auch die aktuellen Kriege und die Religionen ein. Dabei zeigte sich beim Thema Religion noch Übereinstimmung, dass Religion eine sehr große Rolle bei der Unterdrückung der Frauen spielt, aber schon die Lösungsfindung auf unterschiedliche Ansichten trafen. So war die Diskussion schnell beim Thema Waffenlieferung an die Kurden im Irak und was mit den Waffen passieren kann. In diesem Zusammenhang wiederholte Barbara Cárdenas noch einmal die Sichtweise der LINKEN, die die Waffenlieferung ablehnen und mehr zivile Unterstützung von Deutschland für die bedrohten Menschen in Irak fordert. Aber gerade Teilnehmerinnen an der Veranstaltung verwiesen darauf, dass sich die Menschen dort währen müssen, weil die Kämpfer des Islamischen Staates (IS) einen Genozid an anderen verüben. Es wäre eben auch das Recht der Frauen für ihr Leben und das ihrer Familie mit Waffen zu kämpfen.   

Gabriele Röhrig schloss die Veranstaltung und warb für die Mitgliedschaft im Verein ‚Frauen für Frieden‘ indem natürlich auch Männer Mitglied werden können, nur das Stimmrecht bei Mitgliederversammlungen bliebe Frauen vorbehalten.