Die schmutzigste Art der Energiegewinnung

Trotz Klimawandel setzen Unternehmen wie E.ON auch in den kommenden Jahrzehnten weiter auf den Energieträger Steinkohle. Am Standort Staudinger wird gegenwärtig 100 Prozent Im­portkohle verfeuert, die vor allem aus Ländern wie Südafrika, Kolumbien und Norwegen per Schiff und Schiene angeliefert wird. Energiemultis wie E.ON ignorieren dabei völlig die inhumane Lage der Menschen in den Abbaugebieten.

Nach Auffassung der Bürgerinitiative Stopp Staudinger bleiben die wahren Kosten des schwarzen Goldes unberücksichtigt, wird der tatsächliche Preis, den Mensch und Umwelt für diesen Brennstoff zahlen, gerne  verschwiegen. „Kohle ist die schmutzigste Art der Energiege­win­nung. Bei allen Wirtschaftlichkeitsberechnungen bleiben gerade die enormen Schäden für die vom Kohleabbau betroffenen Menschen wie Verlust der Gesundheit, des angestammten Lebensraumes, ja sogar des eigenen Lebens völlig außen vor“, kritisiert BI –Sprecher Winfried Schwab-Posselt.

In Kooperation mit Misereor und FIAN(FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk) hatte die Bürgerinitiative Stopp Staudinger mit Yoe Jefferson Arregoces Ustate und Wilman Palmezano Arregoces daher zwei Zeugen aus Kolumbien eingeladen, die im Bürgerhaus über die inhumanen, menschenrechtswidrigen Bedingungen des Kohletagebaus in ihrer Heimat berichteten. „Wir ziehen alle am gleichen Strang. In diesen Zeiten der Globalisierung, müssen auch unsere Kämpfe den nationalen Rahmen sprengen: In Kolumbien gilt es, den menschenrechtswidrigen Kohleabbau zu stoppen, bei uns gilt der Widerstand der dreckigen Energie aus Kohle und dem Bau neuer Kraftwerke“, gibt Schwab-Posselt zu bedenken.

Sollte der von E.ON geplante gigantische Steinkohleblock 6 Realität werden, dann werden über vier Jahrzehnte stündlich fast 400 Tonnen Kohle in Großkrotzenburg verbrannt, darunter radioaktiv belastete Kohle aus Südafrika, die aktuell immerhin Zweidrittel aller Kohleimporte ausmacht. „Vor allem nachts“, darauf machte der BI-Sprecher aufmerksam „werden durch die Anlieferung von Kohle per Bahn und Schiff erhebliche Lärmbelästigungen für uns Anwohner verursacht werden, die uns den Schlaf rauben und damit die Gesundheit beeinträchtigen. Für uns gibt es nur eins. Möglichst schnell weg von diesen fossilen Kohledinosauriern hin zu regenerativen Energien“.

Menschenrechtswidriger Kohleabbau in Kolumbien

Kohle vertreibt Indígenas und Schwarze

Von Bettina Reis

Drei Viertel aller Menschenrechtsverletzungen – politische Morde, Verschwindenlassen, Drohungen und Massaker – werden in den sechs kolumbianischen Departements registriert, in denen überwiegend Bodenschätze abgebaut werden. Fast 70 Prozent der Binnenflüchtlinge kommen aus Regionen, in denen sich die wirtschaftliche Aktivität auf die Ausbeutung von Kohle, Erdöl, Gold oder sonstigen Ressourcen konzentriert. Nach Meinung der kolumbianischen Gewerkschaften sind dafür die transnationalen Unternehmen verantwortlich, die mit den legalen und „illegalen“ Kräften des kolumbianischen Staates, also den Paramilitärs, alliiert sind. Der Kohleabbau in El Cerrejón ist dafür ein Beispiel.  

Cerrejón Zona Norte ist das größte Kohleförderprojekt in Lateinamerika. Das Unternehmen zum Abbau der riesigen Kohlevorkommen auf der Halbinsel Guajira im Nordwesten Kolumbiens begann vor mehr als 20 Jahren als ein Joint Venture, zu dem sich das staatliche Unternehmen Carbones de Colombia SA, kurz Carbocol, und Intercor, eine 100 Prozent-Tochter des US-Energiekonzerns ExxonMobil Corp., bei uns besser bekannt als Esso, zusammen schlossen. Das Projekt wurde in drei Phasen unterteilt: die Explorierungsphase von 1977-80, die Bauphase von 1980-86, und die Produktionsphase von 1986-2009.  

Die nationalen Gesetze werden gern umgangen, ignoriert oder sogar abgeschafft, wenn dabei größere Gewinne für die Multis rausspringen. Es ist unverständlich, warum Bergbauminister z.B. Abgabenordnungen „multi-gefällig“ gestalten, obwohl dadurch verminderte Einnahmen für die Gemeinden in den Gebieten mit Bodenschätzen verbunden sein können. So geschehen auch im Fall des Kohleabbaus im Cerrejón. 

Die Zahl der direkt Betroffenen in Kolumbien ist vielleicht nicht sehr hoch, aber ihr Schaden ungleich größer: Sie bezahlen mit dem Verlust ihrer Gesundheit, ihres Landes, ihres Lebensraum und sogar des Lebens.