Eckpunktepapier zur Schule

August 2010

1. Bildung, auch schulische Bildung, darf nicht ökonomischer Verwertbarkeitslogik untergeordnet

werden: Bildung soll die Menschen v. a. in die Lage versetzen, die gesellschaftliche Entwicklung

aktiv mitzugestalten und ihre Qualifikation auch als Potenzial für gesellschaftliche

Veränderung zu begreifen.

2. Jede Bildungsinstitution ist kostenfrei zu besuchen, auch die Schule. Es ist echte

Lernmittelfreiheit ohne versteckte Kosten zu gewährleisten. Ebenso sollen Verpflegung und

Schülerbeförderung bis zum Schulabschluss kostenlos sein. Die öffentliche Hand hat eine

ausreichende Finanzierung zu gewährleisten.

3. Aufbau eines inklusiven Schulsystems: Kein Kind wird mehr ausgesondert und auf ‚spezielle‘

Schulen mit ‚seinesgleichen‘ geschickt, sondern individuell und entsprechend seinen

Förderbedürfnissen in Schulen für Alle gefördert. Benachteiligungen durch Herkunft oder

Beeinträchtigungen / Behinderungen werden so weit wie möglich ausgeglichen. Die personellen

und materiellen Ressourcen der sog. Förderschulen werden weiterhin zur Verfügung gestellt

und im Sinne einer Konversion den Regelschulen übertragen.

4. Aufbau von Gemeinschaftsschulen von der 1. bis zur 10. Klasse als Regelschulen, danach

Aufteilung in berufliche und akademische Bildung: Kein Kind wird mehr in die ‚passende‘

weiterführende Schulform (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) geschickt, stattdessen lernt

es von anderen und mit anderen zusammen, auch jahrgangsübergreifend. In einem ersten

Schritt erfolgt die Rückkehr zur 6-jährigen gemeinsamen Mittelstufe. G8 ist Geschichte.

5. Die innere Organisation der Schule macht Abschulen und Sitzenbleiben unnötig. Jeder

Jugendlicher wird zum höchst möglichen Schulabschluss geführt.

6. Ausbau aller Schulen als verlässliche Ganztagsschulen in gebundener Form: Kein Kind muss

nach der Schule noch Hausaufgaben machen, - die Kinder lernen, arbeiten, spielen und essen

zusammen. Wenn sie nach Hause gehen, sind Familie und Freunde angesagt.

7. Unterrichtsprinzipien in kleinen Klassen sind: Polytechnischer Unterricht, Projektunterricht,

Ressourcenorientierung, jahrgangsübergreifendes Arbeiten und Gruppenarbeit. Noten werden

von am individuellen Fortschritt orientierten Rückmeldesystemen abgelöst.

8. Gestaltungsprinzip ist die Demokratische Schule: Schülerschaft, Lehrpersonal und Eltern

entscheiden gemeinsam. Die Lehrer_innen, Sozialarbeiter_innen und Therapeut_innen /

Psycholog_innen arbeiten gleichberechtigt in Teams zusammen.

9. Schule als Arbeitsplatz: Gut ausgestattete, barrierefreie Schulen mit gedämmten

Klassenräumen, Lehrerarbeitsplätzen, Kleingruppenräumen, Rückzugsmöglichkeiten, Lese- und

Spielecken sowie Räumlichkeiten, in denen zusammen mit Sport- und anderen Vereinen

unterrichtet werden kann, sind gegeben. Die Arbeit wird angemessen vergütet, eine

zehrprozentige Vertretungsreserve sichert einen zuverlässigen und qualifizierten Unterricht.

10. Eine reformierte Lehrerausbildung verstärkt die Praxisnähe im ersten Ausbildungsabschnitt.

Dieser ist für alle Lehrer gleich aufgebaut und zielt u. a. auf die Entwicklung sonder- und

sozialpädagogischer Grundkompetenzen. Regelmäßige Fortbildung und Supervision .ist

Standard.