Eckpunktepapier zu Universität und Fachhochschule

August 2010

1. Kostenfreie Uni und FH: Studiengebühren sind aus gesellschafts-, sozial- und bildungspolitischen

Gründen abzulehnen. Sie zementieren soziale Ungerechtigkeiten und schränken

perspektivisch gesehen den Zugriff auf eine breite Basis von Talenten ein. Sie lenken von der

eigentlichen Verantwortung für die Unterfinanzierung der Hochschulen ab.

2. Ausreichende Ausstattung: Hochschulen und FH‘s brauchen eine bedarfsgerechte Finanzausstattung

durch die öffentliche Hand. Momentan ist Hochschul-Finanzpolitik Mangelverwaltung.

Die Seminare sind zu groß, der Bestand in Bibliotheken veraltet, viele Lehrstühle

und Mitarbeiterstellen nicht besetzt. Eine deutliche Erhöhung des Anteils der Bildungsausgaben

am Bruttoinlandsprodukt ist geboten und muss auch den Universitäten zugute kommen.

3. Gegen Privatisierung, Ökonomisierung und Eliteförderung: Akademische Einrichtungen

dürfen nicht in ökonomische Dienstleistungsbetriebe umgewandelt werden. Hochschulen dürfen

nicht in Konkurrenz zueinander gesetzt werden. Gesamtgesellschaftliche Bedarfsplanung,

Breiten- und Benachteiligtenförderung muss an die Stelle von sog. „Wettbewerb, Standortsicherung

und Exzellenzförderung“ treten. Private Hochschulen wie auch Stiftungsuniversitäten

sind abzulehnen. Spitzenleistungen lassen sich dauerhaft nur auf der Grundlage einer breiten

und finanziell gefestigten Basis etablieren.

4. Demokratische Verfasstheit: Anstatt wichtige Entscheidungskompetenzen einseitig an

die Hochschulleitung zu verteilen, muss die Politik für eine lebendige demokratische Kultur innerhalb

und außerhalb der Universitätsmauern sorgen. Dazu soll die Drittelparität in der

Selbstverwaltung der Hochschulen wiedereingeführt werden.

5. Stärkung der verfassten Studentenschaft: ASten brauchen das Recht, sich zu allgemeinpolitischen

Fragestellungen zu äußern. Die Möglichkeit der Disziplinierung von Studierenden

seitens des Hochschulpräsidiums, wie durch die neue Novellierung des Hessischen Hochschulgesetzes

eingeführt, muss zurück genommen werden.

6. Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Studium: Studierende Eltern brauchen

Kinderbetreuungsmöglichkeiten mit flexiblen Öffnungszeiten, Möglichkeiten der Verlängerung

der Regelstudienzeiten, Unterstützung bei Promotion und Habilitation, Nutzung von E-learning

Plattformen sowie generell eine größere Flexibilität auch bei Seminaranwesenheit und Praktika.

Menschen mit Kindern müssen finanziell so gut abgesichert sein, dass sie sich ein (Weiter-)

studieren leisten können.

7. Frauenanteil in den Lehrkörpern und Hochschulgremien erhöhen: Dringlich ist ein Personalstrukturwandel

gegen die hierarchische und männerdominierte Verfasstheit der Wissenschaftseinrichtungen.

Zu einer Veränderung bedarf es zumindest einer paritätischen Besetzung

der Berufungskommissionen und eines Stimmrechts der Gleichstellungsbeauftragten in

allen Hochschulgremien. Sinnvoll sind auch Programme, die Frauen nach der Geburt von Kindern

einen Wiedereinstieg ins Studium oder in eine Promotion ermöglichen.

8. Den Bologna-Prozess korrigieren! Das Ziel der Herstellung europaweit anerkannter Abschlüsse

teilt DIE LINKE. Die Einführung der Bachelor-Studiengänge liegt dagegen v.a. im Interesse

der Wirtschaft, die stark auf „Employability“ auf den Erwerb von am Arbeitsmarkt

nachgefragten Kompetenzen orientiert, - der Erwerb von tiefer gehendem Wissen gehört

ebenso wenig dazu wie die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und das Verständnis von größeren

Zusammenhängen. Freier, unbeschränkter Zugang zum Master-Studium ist notwendig. Die

Rückkehr von Hochschulen zu den weniger verschulten Diplomstudiengängen wird unterstützt.

9. Ein ausgewogenes Verhältnis von theoretischer und anwendungsorientierter Forschung

und Lehre ist wichtig. Grundlagenforschung muss gestärkt werden, die Gründung von Exzellenzzentren

darf nicht zur Schließung von in der Grundlagenforschung tätigen Einrichtungen

führen. Die Fächervielfalt an den Unis und FH’s muss erhalten bleiben.