Aussagen des Bildungsberichts 2010

Fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren wächst in sozialen, finanziellen oder/und kulturellen Risikolagen auf: Im Jahr 2008 lebten insgesamt gut 29% der 13,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren in mindestens einer Risikolage. Darunter waren 1,1 Millionen Kinder, die bei Alleinerziehenden lebten, womit in dieser Lebensform fast jedes zweite Kind von einer Risikolage betroff en ist. In Familien mit Migrationshintergrund sind es 1,7 Millionen Kinder (42%). Seit 2000 nahezu gleichbleibend sind 3,5% der Kinder – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern – von allen drei Risikolagen gleichzeitig betroff en. Es ist zu befürchten, dass diese Kinder und Jugendlichen insgesamt ungünstigere Bildungschancen haben. 

Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bis 2007 weiter rückläufig, Anstieg in 2008: In Deutschland wurden 2007 147,8 Milliarden Euro für Bildung ausgegeben. Das waren nominal etwa 22 Milliarden Euro mehr als 1995. Da die Bildungsausgaben unterproportional zur wirtschaftlichen Entwicklung gesteigert wurden, ist der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,8% in 1995 auf 6,2% in 2008 gesunken. Im internationalen Vergleich gibt Deutschland gemessen an der Wirtschaftskraft weniger für Bildung aus als der OECD-Durchschnitt.

Immer mehr Schülerinnen und Schüler werden außerhalb von Förderschulen integrativ gefördert, bei gleichzeitiger Zunahme der Schülerzahlen in Förderschulen: Bei 1,1% aller Schülerinnen und Schüler im Primar- und Sekundarbereich I wurde 2008/09 deren sonderpädagogischer Förderbedarf in sonstigen allgemeinbildenden Schulen erfüllt, was gegenüber 1999 einer Steigerung von 0,5 Prozentpunkten entspricht. An den insgesamt 3.302 Förderschulen in Deutschland werden derzeit etwa 400.000 Schülerinnen und Schüler (4,9% aller Schüler) unterrichtet. Im Jahr 1999 waren es noch 0,4 Prozentpunkte weniger. Unter den EU-Staaten hat Deutschland damit den höchsten Anteil an Schülerinnen und Schüler, die in Förderschulen unterrichtet werden. Vor allem Jungen sind an Förderschulen stark überrepräsentiert.

Kontinuierliche Steigerung der Teilnehmeranzahl in Einrichtungen in freier Trägerschaft: Die Anzahl der Bildungsteilnehmer in Einrichtungen freier Träger ist zwischen 1995/96 und 2008/09 von 2,2 Millionen auf 2,6 Millionen gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um 22%. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Bildungsteilnehmer in öffentlichen Einrichtungen um knapp 720.000 zurückgegangen (minus 5%). Vor allem im Primarbereich, im Sekundarbereich II und im Tertiärbereich hat der Besuch von Einrichtungen in freier Trägerschaft zugenommen. Der Schüleranteil an Schulen in freier Trägerschaft erhöhte sich zwischen 2006/07 und 2008/09 von 6,9 auf 7,6% aller Schülerinnen und Schüler und der Anteil der Schulen in freier Trägerschaft von 7,9 auf 8,9% aller Schulen.

Großer Ersatzbedarf an qualifiziertem pädagogischen und wissenschaftlichen Personal: 40% des gesamten Bildungspersonals in Deutschland und 50% der Lehrkräfte im Schulbereich sind 50 Jahre und älter. Im internationalen Vergleich verzeichnet Deutschland hinter Italien und Schweden den dritthöchsten Anteil an pädagogischem bzw. wissenschaftlichem Personal im Alter von 50 Jahren und älter. Dieser Anteil ist zudem deutlich höher als der Anteil dieser Altersgruppe an allen Erwerbstätigen (27%).

Erstmals seit 2000 ist das Übergangssystem deutlich rückläufig, aber weiterhin große Ausbildungsprobleme für Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss und Migrationshintergrund: Der Anteil des Übergangssystems an den Neuzugängen zur beruflichen Bildung war in den Jahren 2007 und 2008 deutlich rückläufig, es behält aber mit gut einem Drittel (34%) immer noch einen hohen Anteil. Trotz leichter Verbesserungen beim Zugang zur Berufsausbildung ist die Situation für Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss weiterhin prekär, für ausländische Jugendliche mehr noch als für deutsche. Von den deutschen Ausbildungsinteressenten ohne Hauptschulabschluss münden 2008 drei Viertel ins Übergangssystem ein, von denen mit Hauptschulabschluss die Hälfte (48%); bei den ausländischen Jugendlichen sind es 88% und 67%.

Anstieg der Studienanfängerzahl 2009; größere Chancen auf ein Hochschulstudium für Kinder aus akademischen Elternhäusern: Die Studienanfängerzahl hat 2009 einen neuen Höchststand erreicht, gegenüber dem Jahr 2006 hat sie um 23% zugenommen. Auch in den ostdeutschen Ländern, wo die Zahl der Studienberechtigten aus demografischen Gründen stark zurückgegangen ist, sind noch leicht steigende Anfängerzahlen zu verzeichnen. Die Studierneigung bleibt stabil; etwa drei Viertel eines Studienberechtigten<wbr></wbr>jahrgangs nehmen ein Studium auf. Die Wahrscheinlichkeit, ein Studium zu beginnen, ist (auch bei gleichen Abiturnoten) deutlich größer, wenn zumindest ein Elternteil bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen hat. An diesem grundlegenden Befund hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt nichts Wesentliches verändert.

Nachfrage nach Hochschulbildung wird mindestens noch bis zum Jahr 2025 auf einem sehr hohen Niveau bleiben: Der für den Zeitraum 2010 bis 2020 fortgeschriebene Hochschulpakt plant bis 2015 zusätzliche 275.000 Studienanfängerinnen und -an­fänger ein. Nach den Status-quo-Annahmen würden bis 2015 Kapazitäten für weitere ca. 64.000 Studienanfängerinnen und -anfänger benötigt. Die in den nächsten Jahren weiter steigenden Teilnehmerzahlen lassen auch den Personal- und Finanzbedarf des Hochschulsystems bis etwa 2018 auf dem heutigen Niveau oder darüber liegen. Erst danach könnte ein Rückgang einsetzen, sofern die als wichtig angesehenen neuen Aufgaben der Hochschulen im Bereich der akademischen Weiterbildung, der Studienangebote für ausländische Studierende und Senioren nicht als zusätzliche Aufgaben Berücksichtigung finden.