Integrierte Gesamtschule Herder

Herzlichen Dank dafür, dass ich hier sprechen kann. Ich möchte Sie alle, Schülerinnen, Schüler und die Schülervertretung, Eltern und Schulelternbeirat, stellvertretend Frau Hüttig, den Förderverein, stellvertretend Frau Thiel, Lehrerinnen und Lehrer der IGS Herder sowie den Personalrat, stellvertretend dafür Herrn Dirksen, und schließlich natürlich die Schulleitung mit aufs Herzlichste begrüßen und beglückwünschen

Sie wissen, dass die Linke immer für die Gemeinschaftsschule eingetreten ist und auch im Hessischen Landtag, dem ich seit der letzten Legislaturperiode angehöre, entsprechende Anträge eingebracht hat. Unser Bildungsideal ist die „Entdeckung und Förderung des Wissensdrangs und die Freude am selbstorganisierten Lernen statt die Erhöhung des Drucks durch Zeitverkürzung und immer neue Tests“. Sie haben es sicher erkannt: Das habe ich aus Ihrer Resolution vom September 2007 zitiert. Als bildungs- und migrationspolitische Sprecherin unserer Landtagsfraktion, aber auch als Mutter, deren Sohn vor 20 Jahren bereits eine gebundene Ganztagsgrundschule in NRW besuchen durfte, weiß ich, wovon ich rede, wenn ich sage: Genau diese Schulen brauchen wir! Für Kinder mit Migrationshintergrund, für hochbegabte Kinder, für Kinder alleinerziehender Eltern und Kinder mit Teilleistungsstörungen. Für Kinder mit Beeinträchtigungen und Behinderungen, für Kinder sog. Bildungsnaher Eltern und für Kinder aus sozial schwachen Familien. Für alle Kinder eben! Alle Kinder, die in einem Stadtteil zusammen leben und dort auch zusammen lernen wollen. Und auch für ihre Familien, ihre Eltern und ihre Geschwister ist das die richtige Schule, eine stadtteilorientierte Schule. Eine solche Schule ist zurzeit nur als integrierte Gesamtschule, in der Binnendifferenzierung das wichtigste pädagogische Prinzip ist, und zugleich als gebundene Ganztagsschule möglich, - wie sollte eine Päd. Übermittagsbetreuung, wie sie ja von der konservativen Regierung bevorzugt wird, oder auch eine Offene Ganztagsschule, in der die Kinder nur morgens zusammenbleiben, denn dazu in der Lage sein, den Unterrichtsstoff zeitlich zu entzerren, auch für die soziale Entwicklung der Kinder Verantwortung zu übernehmen, ein lebendiges Schulleben, an dem alle teil haben, zu entwickeln? Als Diplom-Psychologin und Diplom-Pädagogin habe ich mich auch gefreut, zu hören, dass Teamteaching, Teamsitzungen und Supervision in Ihrem Kollegium zu Ihrem Erfolgskonzept gehören. Ich denke, dass dies für ein so anspruchsvolles Schulkonzept tatsächlich erforderlich ist. 

Aber natürlich bedarf so ein anspruchsvolles Schulkonzept entsprechender Rahmenbedingungen: Nicht umsonst sind die gebundenen Ganztagsschulen die teuersten, stehen ihnen die meisten Lehrerstunden zu, haben sie den größten Raumbedarf. Und das ist sicherlich einer der Gründe, warum sie von unserer alten CDU- und neuen CDU/FDP-Regierung nicht gewollt sind. Hessen gibt nur 3% seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus, das Nachbarland Thüringen, ebenfalls CDU-regiert, dagegen immerhin schon (oder besser: noch) 5,7 %.

Für entsprechende Rahmenbedingungen müssen Sie immer noch kämpfen. Mit Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft aller Beteiligten haben Sie bisher die Zeiten überbrückt, und ich wünschen Ihnen noch ausreichend Power, um das letzte Stück ebenfalls noch gemeinsam zu gehen.

Neben dem Geld gibt es u. E. einen weiteren wichtigen anderen Grund, weshalb die Konservativen diese Schulform nicht unterstützen: Mit dieser Schulform könnte ja die Vorstellung eines anderen Gesellschaftsmodells entstehen, einer solidarischen, nicht ausgrenzenden Gesellschaft, in der demokratisch, unter Beteiligung aller, entschieden wird, wie die Schule sich entwickeln soll, damit jedes Kind seine Möglichkeiten voll ausschöpfen kann, statt sich als Schule der Elitebildung verpflichtet zu fühlen. Und das ist mindestens ebenso gefährlich und darf daher aus ihrer Sicht nicht zugelassen werden.

Unsere Fraktion hält es für absolut notwendig, dass Sie endlich mit einer gesicherten Perspektive Ihre Arbeit fortführen können, dass ein ganzheitlicher Ausbauplan entwickelt und umgesetzt wird und dass Ihr Antrag auf eine gebundene, rhythmisierte Ganztagsschulform positiv entschieden wird.

Deshalb war es völlig richtig und wichtig, dass Sie mit einer Podiumsdiskussion die im Landtag vertretenen Parteien mit Ihrer Situation konfrontieren wollten. Ich schäme mich, ehrlich gesagt, dafür, dass diese nicht zustande kam. Es ist nur folgerichtig, dass Sie jetzt mit der ganzen Schulgemeinschaft an die breite Öffentlichkeit gehen, den Skandal offen legen und nach Unterstützern auch außerhalb der Schulgemeinde suchen. 

Wir unterstützen Sie in Ihren Protesten ebenso wie wir die Schülerstreiks diese Woche unterstützt haben. Bildung ist ein Menschenrecht und ohne eine gute Bildung, die die jungen Menschen motiviert und befähigt, sich für eine solidarische Welt einzusetzen, in der keiner mehr auf Kosten der anderen Menschen reich werden kann, in der die Menschen und die Umwelt Vorrang vor kurzfristigen Profiten haben, werden wir aus den ganzen künftigen Krisen wahrlich nicht wieder herauskommen. Das ist meine volle Überzeugung.

Ich danke Ihnen