Solidarität mit den Sozial- und Erziehungskräften

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Fraktion DIE LINKE. Im HLT solidarisiert sich mit Euren Forderungen und appelliert an die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände, endlich ein akzeptables Angebot für einen Gesundheits-Tarifvertrag vorzulegen. Ich war in den letzten 10 Jahren als Fortbildnerin in vielen Kitas in ganz Hessen, auch hier in Dietzenbach, tätig und besuche auch jetzt noch regelmäßig Kitas, um zu verfolgen, was sich seit der Verpflichtung auf den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan in den Hessischen Kitas so tut. Ich habe daher eine lebhafte Vorstellung davon, was es heißt, unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen über Jahrzehnte Kinder anspruchsvoll zu bilden und zu erziehen. Es fehlt nicht nur eine Rückenschäden vorbeugende Bestuhlung, die dennoch erlaubt, auf Augenhöhe der Kinder zu bleiben, es fehlt auch in vielen Kitas an einem lärmschluckenden Umbau der Kitas. Es fehlt an einer ausreichenden Rückzugs- und Vorbereitungszeit und – last but not least – an einer gerechten Bezahlung und besseren Aufstiegschancen. Wer kann denn mit diesem Gehalt vernünftig eine Familie unterhalten? An dem Skandal, dass in unserem hochentwickelten Land immer noch Frauen im Durchschnitt 24% weniger verdienen als Männer, ist die schlechte Bezahlung der Erzieherinnen sicher stark beteiligt. Kein Wunder, dass so wenig junge Männer diesen Beruf ergreifen, es aber auch bei jungen Frauen immer weniger Nachwuchs gibt, - was die hessische Landesregierung tatsächlich zu bestreiten wagt.

Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen beginnen seit einiger Zeit massenhaft, sich zu wehren: Auch dagegen, dass sie für die schlechten PISA-Ergebnisse von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern verantwortlich sein sollen, dass sie verantwortlich sein sollen für schlechte Deutschkenntnisse bei Kindern mit Migrationshintergrund, die verhindern, dass sie das Gymnasium besuchen usw. usf. Diese öffentlichen, unberechtigten Vorwürfe führen zu generellem Auseinanderklaffen von auch selbst gestellten Ansprüchen an eine gute Arbeit und der prinzipiellen Unmöglichkeit, diese zu realisieren. Und ich weiß als Psychologin, dass auch dieses permanente Auseinanderklaffen mittel- und langfristig zu einem deutlichen, sich gesundheitlich negativ auswirkenden Stressfaktor im Kita-Alltag wird. Nur 26% der Erzieherinnen können sich vorstellen, das Rentenalter gesund zu erreichen. Das ist doch ein Skandal!!!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen und andere in Kitas und Schulen beschäftigte Berufsgruppen brauchen jetzt die Solidarität und Unterstützung durch die gesamte Zivilgesellschaft. Die Eltern haben weiter überwiegend Verständnis für die Streiks, sie wissen, dass nur gesunde Mitarbeiterinnen ihre Kinder auch gut betreuen können. 

Ich bin selbst Gewerkschafterin und möchte Euch Mut machen: Ihr wollt jetzt nicht mehr den Rücken so wie immer hinhalten, das ist erstens berechtigt und zweitens Euer gutes Recht, wehrt Euch! Es wird jetzt versucht, die Teilnahme an den Warnstreiks zu kriminalisieren, wir wissen, dass solche Versuche in den nächsten Monaten zunehmen werden. Wehrt Euch, wie es jetzt viele andere tun, auf deren Rücken ebenfalls ganz real die Krise, die als systemimmanente Krise zu verstehen ist, bewältigt werden soll. Wir brauchen noch viel mehr Proteste, viel mehr Menschen, die auf die Strasse gehen, die sagen, dass es so nicht weiter geht, - und dass natürlich die Verantwortlichen für die Krise auch zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seid stark, haltet zusammen und haltet durch, streitet für Eure berechtigten Forderungen, Soziale Berufe sind tatsächlich mehrwert! Wir stehen an Eurer Seite!

Ich danke Euch