6. Februar 2009

Studie zum schlechten Abschneiden der türkischstämmigen Migranten ist tendenziös

Zu der vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung veröffentlichten Studie `Ungenutzte Potenziale - Zur Lage der Integration in Deutschland`erklärt Barbara Cárdenas, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Ergebnisse einer Studie, die hauptsächlich aus Mitteln der Freien Wirtschaft finanziert wurde, sind mit Vorsicht zu genießen. Das zeigt sich auch bei dieser Studie. Sie versucht Rangunterschiede zwischen Menschengruppen pseudowissenschaftlich zu rechtfertigen und enthält höchst problematische Tendenzen."

Einseitig würden in dieser Studie auf die Bringschuld der türkischstämmigen Migranten hingewiesen und nur in geringfügiger Weise die Defizite in dieser Gesellschaft aufgeführt, die mit struktureller Diskriminierung in Schule und Ausbildung, Vorurteilen bei potentiellen Arbeitgebern und Alltagsrassimus zu tun hätten, so Cárdenas. Auch die Frage nach der abschreckenden Wirkung des Einbürgerungstests auf einbürgerungswillige, aber bildungsbenachteiligte Migranten, bleibe ungestellt.
Laut Studie seien Aussiedler besser integriert als Menschen türkischer Herkunft. Das habe jedoch viel mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu tun.

Cárdenas: „Geben wir doch den türkischstämmigen Migranten die gleichen Ausgangsbedingungen, wie sie für Aussiedler gelten: gleich zu Beginn ihres Aufenthalts finanzielle Unterstützung bei der Sprachförderung, bessere Chancen bei der Bildung und wenigstens auf kommunaler Ebene das Wahlrecht. Damit wird sicherlich der Integration besser gedient sein als mit pseudowissenschaftlichen Studien. Zu befürchten ist, dass eine Studie, die die Integrationsleistung einer Volksgruppe einseitig an den Pranger stellt und die Strukturdefizite in unserer Gesellschaft nicht aufzeigt, vor allem zu Zeiten der Wirtschaftskrise dazu beiträgt, einseitig Sündenböcke für politische Fehlentscheidungen zu suchen."