Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Die Lehrerausbildung ist ein ganz zentraler Bereich für ein erfolgreiches Schulwesen. Die Aufgabe, unsere Kinder zu unterrichten, sie zu bilden, ihnen Werte zu vermitteln, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen, ist äußerst wertvoll. Wir wissen, investieren wir in Bildung, so investieren wir in unsere Zukunft. Somit ist eine Investition in die Ausbildung der Lehrkräfte etwas, was sich für unsere Gesellschaft in mindestens doppelter Münze auszahlen wird. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir natürlich die dringend notwendige Reform, wissend, dass die Erwartungen an das neue Lehrerbildungsgesetz dementsprechend hoch waren. Auch wegen der äußerst hohen Arbeitsbelastung der Ausbilderinnen und Ausbilder sowie der nicht ausreichenden Ausbildungskapazitäten wurde der Gesetzentwurf sehnsüchtig erwartet. Es gibt aber auch weiterhin Mängel, die von verschiedenen Seiten bereits thematisiert worden sind. Erstens. Dem Gesetzentwurf fehlen grundlegende Aussagen zur Arbeitszeit der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, der Mitausbilderinnen und Mitausbilder und der Mentorinnen und Mentoren. Zweitens. Zudem ist nicht verständlich, wieso keine Lehrkraft des Vertrauens oder eine Mentorin oder ein Mentor im Prüfungsausschuss mit qualifiziertem Rechtsstatus vorgesehen ist. Gerade die Personen, die während der Ausbildung intensiven Kontakt zu den Auszubildenden haben, die ihnen zur Seite stehen und die Gesamtentwicklung mit begleiten, müssen doch an dieser Stelle einbezogen werden. (Beifall bei der LINKEN) Drittens. Die mündliche Prüfung weist einen unzureichenden Bezug zur Schulpraxis und Schulentwicklung auf. Viertens. Unverständlich ist auch die zu hohe Gewichtung der Leistungen der Prüfung mit 40 % gegenüber der Bewertung des Ausbildungsstandes einschließlich der pädagogischen Facharbeit mit nur 60 %. Hier muss umgesteuert werden. Die Praxis muss höher als die Momentaufnahme der Prüfung gewertet werden. Fünftens. Der höhere Praxisbezug muss, wie auch von den GRÜNEN gefordert, Kernbestandteil der Ausbildung sein. Dazu zählen auch die Praxissemester im ersten Teil der Ausbildung. Es muss verhindert werden, dass Auszubildende für den Lehrerberuf erst spät in ihrer Ausbildung die tatsächliche Eignung für den Beruf abschätzen können. (Petra Fuhrmann (SPD): Das ist wohl wahr!) Eine weitere Forderung ist unverzichtbar: Es muss verbindlich zugesichert werden, dass die aufgrund der Verkürzung des Vorbereitungsdienstes eingesparte Vergütung für die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst in Höhe von 8,7 Millionen Euro für die Mentorenentlastung genutzt wird. Frau Ministerin, wir von der LINKEN befürchten, dass dieses eingesparte Geld nicht wieder in irgendeiner Form zurück in die Lehrerausbildung fließt, und erwarten von Ihnen heute eine Aussage, die dazu recht deutlich Stellung nimmt. (Beifall bei der LINKEN und der Abg. Heike Habermann (SPD)) Jetzt kommen wir zu einem Thema, das unmittelbar mit dem Gesetzentwurf in Zusammenhang steht: Unseres Erachtens wollen Sie sich mit dieser Gesetzesinitiative Ihre Kürzungsvorhaben legitimieren lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kürzungen von Ihnen Strukturreform genannt werden. Damit führen Sie keinen hinters Licht. Das Thema Schuldenbremse wird uns also auch an diesem Punkt in den nächsten Jahren schmerzlich weiterhin begleiten. Fakt ist doch Folgendes: Sie kürzen um 150 Ausbilderstellen und um 1.000 Stellen für Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst. Dies tun Sie, obwohl Sie garantiert haben, die Schulen seien von den Kürzungsplänen nicht unmittelbar betroffen. Was soll das bedeuten? Soll es bedeuten, dass die Lehrerausbildung mit dem eigentlichen Schulbetrieb nichts zu tun hat? Soll es bedeuten, dass kein Zusammenhang zwischen ausreichendem Lehrpersonal sowie ausreichend gut ausgebildetem Lehrpersonal und guter Schulbildung besteht? Die Ausbildungsarbeit der Studienseminare ist gut. Da wird sehr engagiert gearbeitet. Schon jetzt sind diese aber völlig überlastet und zudem mangelhaft ausgestattet. Glauben Sie, dass durch Ihre ja noch ach, so geheimen Kürzungsvorhaben eine Besserung der Situation eintreten wird? Das wird wohl kaum der Fall sein. Daher kann ich es mir an dieser Stelle nicht nehmen lassen, das Kultusministerium erneut aufzufordern, uns und allen Betroffenen endlich reinen Wein einzuschenken. Rücken Sie endlich mit Ihren Plänen heraus. Erst die Gesetzesnovellierungen durchzuboxen und dann noch einmal mit dem großen Hammer nachzuschlagen wäre hochgradig verantwortungslos. Angesichts Ihrer praktischen Bildungspolitik kann unser Eindruck nur sein: Sie wollen keine wirklichen Verbesserungen. Sie wollen die Bedingungen nicht grundlegend verbessern. Das sind keine guten Aussichten für uns und für die kommenden Generationen der Lehrer. - Ich danke Ihnen. (Beifall bei der LINKEN)