Die Pannen beim Abitur waren laut Cárdenas wohl nicht so umfangreich wie im vergangenen Jahr. Solche Pannen gehörten bei einer zentralen Prüfung dazu. Die Linken fordern deshalb ein dezentrales Lernen.
Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Die GRÜNEN tun heute in dieser Aktuellen Stunde wieder das, was sie so gerne tun: Sie versuchen die CDU davon zu überzeugen, dass sie selbst der bessere Regierungspartner wären und eben nicht die FDP, die im Bereich der Bildung versagt hat. (Beifall bei der LINKEN - Florian Rentsch (FDP): Frau Cárdenas, sensationell! Das ist das Hamburg-Syndrom! - Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wir würden das auch besser machen!) Im konkreten Fall geht es darum, Frau Kultusministerin Henzler vorzuführen, weil es beim Zentralabitur erneut zu Pannen gekommen ist. Ich möchte demgegenüber festhalten: Das Kultusministerium hat für den diesjährigen Abiturdurchgang ein Vielfaches an Mitteln für Prüflesungen verausgabt, um einen möglichst pannenfreien Ablauf, insbesondere im Lichte der Öffentlichkeit, zu gewährleisten. Dadurch sind die Pannen wohl nicht so umfangreich wie im letzten Jahr geworden, womit ich aber nicht die Benachteiligungen, die einzelne Schülerinnen und Schüler erfahren haben, kleinreden will. Aber - da kann ich Sie, Herr Döweling, bestätigen - solche Schwierigkeiten und Fehler sind bei einem zentralisierten Vorgehen sehr viel wahrscheinlicher als bei einem dezentralen Vorgehen. Auch aus diesem Grunde sagen wir: Das Zentralabitur selbst gehört überwunden und Lernen wieder dezentralisiert. (Beifall bei der LINKEN) Die Gründe sind: Ein Zentralabitur muss aufgrund seiner Struktur und Form im Wesentlichen Faktenwissen abfragen. Es muss also einseitig abfragbares Wissen prüfen. Dies hat einschneidende Konsequenzen für den bisherigen Unterricht in der gymnasialen Oberstufe. Für jede Lehrkraft, die ihre Schülerinnen und Schüler gut auf das Abitur vorbereiten will, führt dies zu einem Pauk und Wiederholungsunterricht, und zwar beginnt das schon mehrere Jahre vor dem Abitur. Für das Erlernen anderer Methoden, für interessante Umwege, für kritisches Reflektieren, für schlussfolgerndes Denken und für kreativen Transfer bleibt dabei wenig bis gar keine Zeit. Damit kommen selbstständiges Arbeiten, wissenschaftspropädeutisches Lernen und Eigenverantwortung für den Lernprozess - alles Ziele der gymnasialen Oberstufe - viel zu kurz. Das Zentralabitur gefährdet und verhindert den so notwendigen Erwerb von Schlüsselqualifikationen, die sowohl von der Kultusministerkonferenz und den Gewerkschaften als auch von der Wirtschaft und ihren Interessenorganisationen für wichtig erachtet werden. Die Wirtschaft ist in den letzten Jahren bei der Besetzung von Führungsaufgaben zunehmend von zentralen, normierten Prüfungen ihres Nachwuchses abgegangen, weil mit zentralen Prüfungen die Qualifikationen, auf die es heute ankommt, gar nicht geprüft werden können. Das Zentralabitur kann die individuellen Fähigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler nicht berücksichtigen. Es muss Gleichmacherei betreiben, weil es alle wichtigen Kontextbedingungen, die den konkreten Unterricht, die jeweiligen Lernbedingungen, die Lernsituation und die didaktische Umsetzung der Rahmen und Strukturpläne unberücksichtigt lassen muss. Dies wurde auch gestern in einer Besuchergruppe, die ich hatte, von den Schülerinnen und Schülern wieder bestätigt. (Zuruf des Abg. Hans-Jürgen Irmer (CDU) - Gegenruf des Abg. Willi van Ooyen (DIE LINKE): Ja, Herr Irmer, so ist das!) Dies würde noch verschärft, wenn in Hessen, wie wohl geplant, die Arbeiten durch fremde Lehrkräfte korrigiert werden sollen. Ergo: Es gibt nichts Richtiges im Falschen. Das bedeutet, bezogen auf das Zentralabitur: Nicht die Umsetzung des Zentralabiturs gehört in den Mittelpunkt von Debatte und Kritik, sondern die Methode Zentralabitur selbst. - Ich bedanke mich bei Ihnen. (Beifall bei der LINKEN)