Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Ich mache es kurz. Wir LINKE unterstützen den Dringlichen Antrag
der SPD, eine Anhörung zur gymnasialen Oberstufe und
zum Zentralabitur durchzuführen. Wir haben uns noch
vor Kurzem anlässlich der Pannen beim Mathematikabitur
für die Einführung eines dezentralen Abiturs und gegen
das Zentralabitur ausgesprochen, weil es – wie die
Schülerinnen und Schüler immer wieder berichten – in
mindestens den letzten zwei Jahren vor dem Abitur zu einem
Learning for the Test statt zu einem am humanistischen
Bildungsverständnis orientierten Lernen führt.
Lehrer und Lehrergewerkschaften sprechen von der Deprofessionalisierung
des Lehrerberufs. Ihre pädagogische
Kompetenz ist nicht mehr ausreichend gefragt. Die jeweiligen
Lernbedingungen des einzelnen Schülers, aber auch
die konkrete Lernsituation, die konkrete Umsetzung der
Rahmen- und Strukturpläne werden nicht mehr berücksichtigt.
Wir als LINKE wollen etwas anderes. Wir sind deshalb
daran interessiert, in einer Anhörung zu erfahren, ob die
von CDU und FDP immer wieder vorgebrachten Argumente
für das Zentralabitur – z.B. das der überregionalen
Vergleichbarkeiten von Abiturnoten – einer fachlichen,
politisch unabhängigen Überprüfung standhalten kann
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Natürlich, selbstverständlich!
Das ist doch bekannt! Man muss nur lesen
können!)
und ob das Ziel der Vergleichbarkeit, wie im SPD-Antrag
formuliert, auch anders, ohne Zentralabitur, erreicht werden
könnte, Herr Irmer.
(Beifall bei der LINKEN – Hans-Jürgen Irmer
(CDU): Erzählen Sie doch einmal, warum Berlin
das Zentralabitur eingeführt hat! – Axel Wintermeyer
(CDU): Zentralkomitee!)
Auch von einer unabhängigen Sicht auf die Möglichkeit,
die Oberstufe in zwei bis vier Jahren durchlaufen zu können,
verspreche ich mir einen wichtigen Impuls für die
Landesregierung, auf eine an den individuellen Fähigkeiten
der Schülerinnen und Schüler orientierte Unterrichtsorganisation
zurückzukommen.
Auch Sie wollen doch, dass möglichst viele Schülerinnen
und Schüler die Schule qualifiziert abschließen.Auch Sie
wollen doch die Abiturquote erhöhen. Ein zeitlich flexibles
Durchlaufen würde uns diesem Ziel sicher näher bringen.
So weit, so gut. Es spricht alles für diese Anhörung. Aber
insgesamt bin ich doch eher pessimistisch.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Was sagt die GEW
dazu?)
Denn worum geht es beim Abitur? Das Abitur hat die
Funktion, die Studierfähigkeit zu überprüfen. Insofern
muss man leider konstatieren: Dieses Zentralabitur passt
auf das Studium wie der Topf zum Deckel. Schließlich geht
es doch auch im Studium seit der Einführung von Bachelor
und Master zunehmend darum, statt die Studieninhalte
kritisch zu durchdringen, zumindest in der ersten Stufe,
diese vor allem zu reproduzieren und zu präsentieren.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): So etwas kann doch
nur jemand erzählen, der nie an der Uni war! So ein
Quatsch! – Willi van Ooyen (DIE LINKE): Doch,
wir waren an der Universität! – Hans-Jürgen Irmer
(CDU): Ja, in Moskau! Wie heißt die Universität in
Moskau? – Willi van Ooyen (DIE LINKE): Nein,
dort war ich ja nicht, ich war in Frankfurt! – Hans-
Jürgen Irmer (CDU): Na klar!)
Wir wissen, wie diese Regierung zu Bachelor und Master
steht. – Herr Irmer, hören Sie doch bitte einmal zu. – Daher
wird sie wohl auch ein verändertes Paradigma beim
Abitur nicht zulassen.
Insofern ist zu befürchten, dass die Regierung entweder
eine Anhörung nicht für nötig hält – das werden wir gleich
oder später sehen – oder sich auch von in der Anhörung
fallenden kritischen fachlichen Einschätzungen nicht irritieren
lässt.
Frau Henzler, ich bitte Sie, überraschen Sie uns. Herr Irmer,
ich bitte auch Sie, überraschen Sie uns.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Ständig!)
Immerhin haben Sie heute wenigstens einmal eine rote
Krawatte an. Ich denke, das passt dazu.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Ich bin so schwarz, da
kann ich ohne Schaden gewiss eine rote Krawatte
tragen!)
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der LINKEN)