Mit dem Erlass sei ein erster Schritt gemacht, so Cárdenas. Es sei nur schade, dass es immer einen öffentlichen Skandal brauche, bevor das Kultusministerium handelt.
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren!
Es scheint heute die Aufgabe der LINKEN zu sein, doch ein
bisschen Wasser in den Wein zu gießen.
(Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN):Was heißt heute? – Zuruf: Das ist doch
immer so!)
– Sonst machen es auch oft die anderen. – Bei der letzten
Landtagswahl versprachen sich augenscheinlich viele
Menschen ein besseres Bildungskonzept von einer
schwarz-gelben Koalition, vielleicht kein gutes, aber doch
ein besseres, als es das zu Zeiten der christdemokratischen
Alleinregierung gab.Was aber geschieht im Moment im
vermeintlichen Bildungsland Nummer eins Hessen? An
einer Reihe von Standorten sollten Klassen zusammengelegt
und damit größer werden. Das wäre wider jede pädagogische
Vernunft. Dabei hatte die FDP doch im Wahlkampf
versprochen – ich zitiere von der Homepage von
Frau Henzler –:
Ziel hessischer Schulpolitik muss es auch sein, die
derzeitigen Klassengrößen zu verkleinern.
Da geht es also nicht nur um die Grundschule.
Leider scheint das Gegenteil Realität zu werden. Im Kulturpolitischen
Ausschuss wurde das Thema bereits angesprochen.
Leider hat Herr Staatssekretär Brockmann
aber gemauert und keine Klarheit geschaffen. Eines seiner
Argumente war, es handele sich nur um Einzelfälle.
Jedem dieser vermeintlichen Einzelfälle werde umgehend
nachgegangen, war ein weiteres.
Unseres Wissens besteht das besagte Problem der Klassenzusammenlegung
an mindestens folgenden Schulen –
teilweise ist das seit einigen Monaten bekannt –: der Astrid-
Lindgren-Schule in Usingen, der Regenbogenschule
in Bad Vilbel-Dortelweil, der Ernst-Reuter-Schule, Bad
Vilbel-Heilsberg – Sie können ja einmal nachschauen, ob
das mit Ihren Aufzeichnungen übereinstimmt –, der
Grundschule in Butzbach, der Grundschule in Limburg,
der Meinhard-Schule in Meinhard-Grebendorf im Werra-
Meißner-Kreis, der Grundschule an der Wiesenau in Neu-
Anspach, der Freiherr-vom-Stein-Schule in Herbstein im
Vogelsberg, der Geisbergschule in Linsengericht, der Friedrich-
Ebert-Schule in Schöneck-Kilianstädten, der Hölderlinschule
in Bad Homburg und der Hartmutschule in
Eschborn.
(Zuruf: Das ist kalter Kaffee! – Gegenruf des Abg.
Hermann Schaus (DIE LINKE): Diese Aufzählung
hören Sie nicht gern!)
Wie wir gestern erfuhren, wehren sich aber auch weiterführende
Schulen, wie die Lüdertalschule in Großenlüder,
gegen Klassenzusammenlegungen. Auch hier muss
meines Erachtens eine Lösung gefunden werden.
(Beifall bei der LINKEN)
Das sind schon ziemlich viele sogenannte Einzelfälle.Das
sind nur diejenigen, die uns bekannt geworden sind. Da
wurde nicht in jedem Einzelfall geprüft, wie in Ihrer gestrigen
Pressemitteilung behauptet wurde. Kleinere
1. Klassen um den Preis, später größere, neu zusammengesetzte
Klassen zu haben – eine unsinnigere Politik
könnte es kaum geben.
(Beifall bei der LINKEN)
Frau Kultusministerin, wir sind gespannt, ob Ihr Erlass
umgehend Klarheit schaffen und größere Klassen zumindest
an allen hessischen Grundschulen verhindern kann.
Sie selbst scheinen das nicht unbedingt für möglich zu halten.
Ich verweise da auf die Pressemitteilung von gestern,
in der Sie das nicht ausschließen.
Frau Kultusministerin, Sie müssen die Leute an den Schulen
und die Eltern ernst nehmen. Soweit wir wissen, ist
z. B. ein Brief des Elternbeirats der Friedrich-Ebert-
Grundschule in Schöneck-Kilianstädten vom 12. Mai 2009
zu diesem Thema bis heute nicht beantwortet worden,
also nach fast zwei Monaten.
(Zuruf: Natürlich ist er beantwortet worden!)
Wir müssen vermuten, dass auch das kein Einzelfall ist.
Im Kulturpolitischen Ausschuss wurde deutlich: Die Kultusministerin
und die Staatlichen Schulämter schieben
sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Ist so liberale
Politik zu verstehen: wegducken, Kopf in den Sand, „Wir
waren es nicht“?
Sehr geehrte Frau Henzler, mit Ihrem Erlass haben Sie einen
ersten Schritt gemacht. Mit der Zusicherung, jedem
Einzelfall nachzugehen, haben Sie einen weiteren Schritt
getan. Schade ist allerdings, dass es immer erst der Skandale
in der Öffentlichkeit bedarf, bis das Kultusministerium
tätig wird.
Natürlich reicht uns das nicht.Wir fordern Sie auf, sicherzustellen,
dass keine Zusammenlegung dazu führt, dass
Grundschulklassen mit über 25 Schülerinnen und Schülern
eingerichtet werden.
(Beifall bei der LINKEN)
Bereits umgesetzte oder geplante Maßnahmen müssen
rückgängig gemacht werden.
An die Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion, die
diese Aktuelle Stunde beantragt haben, gerichtet, möchte
ich noch eines sagen: Sie bringen damit berechtigte Kritik
an der Landesregierung vor.Wir sollten aber auch vor Ort
in den Kommunen, bei den Eltern und Schülern initiativ
werden und uns weiterhin nicht auf die Landesregierung
verlassen.
(Beifall bei der LINKEN)
Der Kreistag des Landkreises Main-Kinzig hat auf Anregung
der Kreistagsfraktion DIE LINKE vor Ort einstimmig
beschlossen, die Landesregierung aufzufordern, die
Obergrenze von 25 Schülerinnen und Schülern auf alle
Grundschulklassen zu übertragen. Auch die Kreistagsfraktion
DIE LINKE in Bad Homburg hat an diesem
Montag einen Dringlichen Antrag eingebracht, der sich
auf die jüngsten Proteste und Aktionen besorgter Eltern
bezieht und in dem gefordert wird, dass das Staatliche
Schulamt in Friedberg keine Grundschulklassen mit mehr
als 25 Schülerinnen und Schülern einrichten darf.
Sie haben diese Initiativen unterstützt und hoffentlich
eben solche auch in anderen Kommunalparlamenten eingebracht.
So sollten unsere Parteien auch in den Kommunalparlamenten
zusammenarbeiten und die Landesregierung
kontrollieren. – Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der LINKEN)