Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Herr Irmer, mit Geschichtsklitterung und unzulässigen Vergleichen
diskreditieren Sie nur sich selbst und Ihre Partei. Ich
hoffe, dass Sie von Ihrer Partei wieder eingefangen werden.
Selbst Herr Wagner hat sich bei Ihren Worten züchtig
das Haupt bedeckt.
(Beifall bei der LINKEN – Lachen bei der CDU –
Dr. Christean Wagner (Lahntal) (CDU): Was? –
Zuruf von den GRÜNEN: Herr Wagner trägt kein
Kopftuch! – Axel Wintermeyer (CDU): Ich würde
es lieber bei anderen Gelegenheiten bedecken!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
(Unruhe – Glockenzeichen des Präsidenten)
wir widmen uns heute Morgen mit Ihrem Antrag wieder
in der von Ihnen bevorzugten Weise einem wichtigen
Thema, nämlich der Aufarbeitung eines christsozialen
Traumas: des Versuchs, einen sozialistischen Staat auf
deutschem Boden zu errichten.
(Axel Wintermeyer (CDU): Das war eine Diktatur!)
Das ist Ihr gutes Recht, obwohl es inzwischen etwas ermüdet.
(Axel Wintermeyer (CDU):Die Wahrheit ermüdet nie!)
Daher werde ich diesmal nicht mehr so ausführlich wie
früher über unsere Position der DDR gegenüber sprechen.
(Axel Wintermeyer (CDU): Darauf sind wir aber gespannt!)
Sie können nämlich alles in den Reden nachlesen, die von
Frau Wissler und von mir – von jedem von uns – gehalten
worden sind. Sie können das auch in den Internetauftritten
der Bundestagsfraktion und unserer Bundespartei
nachlesen, in denen ausführlich über unsere Sicht dieses
widerspruchsvollen Kapitels der deutschen Geschichte
berichtet wird.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): „Widerspruchsvoll!“?
Verbrecherisch! Es gibt überhaupt keine Widersprüche!
Das ist die Realität!)
Herr Irmer, angesichts unserer besonderen Verantwortung
begrüßen wir es wieder einmal ausdrücklich, wenn
die CDU-Fraktion dafür Sorge tragen will, dass profundes
Wissen über die DDR vermittelt wird und dass Demokratieerziehung
und Toleranz gefördert werden, wie es in Ihrem
Antrag steht.
(Peter Beuth (CDU): Sie werden wir nicht fragen!)
Von daher sind die Punkte 1 und 4 Ihres Antrags für uns
völlig unproblematisch. Sie könnten von uns mitgetragen
werden.
Was Punkt 2 betrifft, so vermuten wir, dass die von Ihnen
verwendete Formulierung „jede Form von Extremismus“
nicht auf den Islamismus abzielt, sondern der von Ihnen
bevorzugten Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus
den Weg bereiten soll.Wie Sie wissen, haben wir
dazu eine differenziertere Einstellung und können daher
diesen Punkt nicht mittragen.
Auch Punkt 3 wird von uns in dieser Form nicht mitgetragen
werden.
Wir unterstützen den von der Fraktion BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN eingebrachten Antrag, zusätzlich die
Rolle der Blockparteien zu beleuchten.Dies ist unbedingt
notwendig, um ein realistisches Bild der DDR und ihres
Herrschaftssystems vermitteln zu können, und es wird
dem Klischee, das Sie hier gebetsmühlenartig wiederholen,
nämlich dass allein die SED für das ganze Unrecht
verantwortlich zu machen sei, ein Gegengewicht gegenüberstellen.
Was ist mit Stanislaw Tillich und Dieter Althaus?
(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der CDU:
Das tut schon weh!)
Aber das reicht nicht.Wie wir immer wieder ausführen,
muss dem Alltag in der DDR endlich ein Gesicht gegeben
werden, und es muss auf unterschiedliche Biografien differenziert
geschaut werden. Die DDR lässt sich nicht auf
die Mauertoten und die politisch Verfolgten reduzieren.
Wir müssen versuchen, die Menschen unter dem ideologischen
Müll wiederzufinden und ihre Verstrickungen, ihre
Zivilcourage sowie ihren Einsatz für die sozialistische Demokratie,
aber auch ihre Unschuld, ihre Naivität und ihre
Furcht offenzulegen.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Das hat aber nicht die
SED unterstützt!)
Sonst wird die Erinnerungsarbeit von vielen ehemaligen
Bürgerinnen und Bürgern der DDR sowie von Schülerinnen
und Schülern, deren Eltern in der DDR gelebt haben,
nicht angenommen, sondern als ideologisch gefärbt zurückgewiesen
werden.
(Axel Wintermeyer (CDU):Die Erfahrung machen
wir ständig!)
Solange die Lebensleistungen der ehemaligen DDR-Bürgerinnen
und -Bürger nicht gewürdigt werden – das werden
sie nach 20 Jahren immer noch nicht –, wird es keine
innere Versöhnung und kein gemeinsames Bild der DDRJahre
geben.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich möchte ausdrücklich sagen, dass wir den differenzierten
Dringlichen Antrag der Fraktion der SPD unterstützen,
der die historische Tatsache enthält, dass die DDR
eine Folge des Faschismus war. Wir möchten auch ausdrücklich
Herrn Quanz für seine gute Rede danken.
(Beifall bei der LINKEN und bei Abgeordneten
der SPD)
Ein paar letzte Worte möchte ich sagen.Wir LINKE werden
lebendige Erinnerungsarbeit immer toten Bauten wie
Gedenkstätten und Museen vorziehen. Da gibt es spannende
Ansätze und Erfahrungen, die Sie vielleicht zur
Kenntnis nehmen sollten.
(Zuruf von der CDU: Da kann Herr Gysi berichten!)
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der LINKEN)