Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Zu den „prickelnden“ Vorgängen um das bisherige
Durcheinander von Zusage und Absage von Übergangsminister
und amtierender Kultusministerin haben Frau
Habermann und Herr Wagner schon alles Wichtige ausgeführt.
Ich denke, dass auch Frau Ravensburg dieses
Durcheinander nicht wirklich beseitigt hat.
Als bildungspolitische Sprecherin meiner Fraktion, aber
auch als Psychologin und Pädagogin halte ich es für unbedingt
nötig und nicht nur für wünschenswert, dass Schulsozialarbeit
zumindest mittelfristig flächendeckend den
Schulen zur Verfügung steht, und zwar allen Schulen, allen
Schulformen und allen Stufen.
(Beifall bei der LINKEN und bei Abgeordneten
der SPD)
Denn wir wissen in allen Fraktionen – es bestehen auch
keine großen Unterschiede, wenn ich die Debatte heute
richtig verfolgt habe –, dass die Anforderungen an Schule
beständig gestiegen sind. Mit der alleinigen Wahrnehmung
des Erziehungsauftrags stoßen die Lehrerinnen und
Lehrer an ihre Grenzen, und zwar sowohl was ihre Rolle
im Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern anbelangt,
die einmal bewertend und dann wieder von persönlichem
Vertrauen geprägt sein soll, als auch was die zeitliche
Möglichkeit zu individuellen Kontakten und Gesprächen
mit Kindern und Eltern angeht.
Wenn wir ernst nehmen, dass Schule sich in mindestens
fünf Punkten ändern muss, um den Anforderungen besser
zu begegnen, wenn wir z. B. individuelle Bereitschaft zur
Inklusion aufseiten der behinderten Kinder, aber auch
der Kinder ohne Behinderung fördern wollen, wenn die
Ganztagsschule ein Lebensort werden soll, in dem Schülerinnen
und Schüler einen großen Teil des Tages gemeinsam
verbringen und dort ihre vielfältigen Entwicklungsbedürfnisse
zum Ausdruck bringen, wenn Schule auf Beruf
und Studium vorbereiten und den Übergang begleiten
soll, wenn Schule ein Ort sein soll, wo soziales Zusammenleben
und demokratisches Aushandeln von Interessen
gefördert werden, wenn wir in Schulen Amokläufen,
Gewaltausbrüchen und Mobbing den Boden entziehen
wollen, wenn Gewaltprävention nicht nur ein Wort bleiben
soll, sondern mit vielfältigen Mediationsprogrammen
umgesetzt wird und damit eine Feuerwehrfunktion der
pädagogischen Kräfte in Schule nicht negiert, aber der
präventiven Funktion untergeordnet wird, dann geht kein
Weg daran vorbei, mehr Sozialarbeit in allen Schulformen,
Schultypen und Stufen zu etablieren.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich meine, dann sollten Sie das Angebot von Herrn Wagner
tatsächlich annehmen,mit ihm auf die Suche nach den
3 Millionen zu gehen.Das kann ich nur unterstützen.
(Beifall bei der LINKEN und des Abg. Mathias
Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))
Aber noch etwas: In der Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft
Schulsozialarbeit wurde immer wieder deutlich, wie
vielfältig Schulsozialarbeit von den unterschiedlichsten
Trägern eingesetzt wird. Es wäre meines Erachtens nötig,
angesichts der dargestellten Herausforderungen ein übergreifendes
Konzept zur Schulsozialarbeit zu entwickeln.
Wir meinen, auch dort könnte und sollte das Land den
Hut aufhaben.Aber dies widerspricht wahrscheinlich wieder
Ihren Vorstellungen von der Rolle des Landes bzw.
des Kultusministeriums, das sich gegenüber der sich selbst
überlassenen Schule mit Vorgaben zurückhält. – Armes
Hessen, kann ich da nur sagen.
Wir bewerten als LINKE das Thema Schulsozialarbeit
und seine Wichtigkeit ebenso wie SPD und BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN, vor allem wenn es um die Drittelfinanzierung
und die Ablehnung geht, das aus den 20 % Lehrerzuweisung
zu finanzieren.Wir unterstützen den Antrag
der SPD voll und ganz und im Prinzip auch den von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.Allerdings halten wir die
Formulierung:
Durch Schulsozialarbeit können sowohl Schülerinnen
und Schüler individueller gefördert werden als
auch Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Arbeit unterstützt
und entlastet werden
für, vorsichtig gesagt, zumindest vieldeutig.Wie wir immer
wieder betonen, will DIE LINKE nicht, dass Personen
ohne Lehrerausbildung – wie in diesem Fall Sozialpädagogen
– den Job der Lehrerinnen und Lehrer machen und
damit sowohl der Lehrerberuf wie auch die Profession des
Schulsozialarbeiters entwertet wird.
(Beifall bei der LINKEN)
Schulsozialarbeit hat in der Regel einen Jugendhilfeauftrag.
Das ist hier schon öfter und richtig gesagt worden.
Sie kann natürlich individuell im Bereich des Sozialverhaltens
und der Persönlichkeitsentwicklung fördern.
Ebenso kann sie Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Arbeit,
aber nicht in ihrer unterrichtlichen Arbeit, sondern soweit
sie den Erziehungsauftrag betrifft, unterstützen und entlasten.
Angesichts dieser Uneindeutigkeit im Antragstext
würden wir bei einer heutigen Abstimmung den ersten
Abschnitt gesondert abstimmen wollen. Den Rest des Antrags
können wir mittragen.
(Beifall bei der LINKEN)
Zum nachgelegten Dringlichen Antrag von CDU und
FDP will ich nur anmerken,dass hierin in mehreren Punkten
Formulierungen enthalten sind, über die wir noch ausführlicher
sprechen sollten. Nur kurz dazu: Nr. 1 ist unseres
Erachtens völlig unzureichend, weil lediglich eine Absichtserklärung.
Nr. 2, 3 und 5 sind unstreitig. Bei Nr. 4 ist
die Frage,wer über diesen Bedarf bestimmt, bei Nr. 6,welche
Projekte das sind. Nr. 7 geht natürlich gar nicht. Sie
wissen, dass wir ganz stark dagegen votieren. – Ich bedanke
mich für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der LINKEN und bei Abgeordneten
der SPD – Leif Blum (FDP):Wir tragen es mit Fassung!)