Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren!
Schon im März hat DIE LINKE das Vorhaben
der SPD begrüßt, eine Enquetekommission einzusetzen,
die einen umfassenden Bericht über die Lebenssituation
der Migrantinnen und Migranten in Hessen erstellen soll.
Er soll Chancen und Probleme von Migrantinnen und Migranten
im Bildungsbereich, in der Erwerbssituation und
im Alter aufzeigen. Er soll sowohl daraus resultierende
Handlungserfordernisse benennen als auch operationalisierte
Vorschläge zur Umsetzung machen, mit dem Ziel, in
Hessen ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller
Menschen – unabhängig von Herkunft, sozialem Hintergrund
und Religion – zu erwirken, wobei letzteres, so muss
ich betonen, eindeutig eine Frage des politischen Willens
und weniger eine des Detailwissens ist.
(Beifall bei der LINKEN)
Denn vieles von dem, was Migrantenverbände und Migrantenvertretungen
seit Jahren einfordern, muss nicht
noch einmal mit viel Aufwand neu untersucht werden.
Vieles liegt klar auf der Hand. Auch liegen bereits viele
Studien vor. Das wurde schon ausgeführt.
Ich muss Ihnen sagen, eine Sorge treibt mich um: Herr
Merz, dem mit viel Trara aus der Taufe gehobenem Integrationsministerium
kam der Vorschlag der SPD vermutlich
gut zupass, über zwei weitere Jahre zu dokumentieren,
zu evaluieren und Konzepte und Umsetzungsvorschläge
zu erarbeiten; denn bis da die erste Maßnahme
umgesetzt ist und sich in Hessen real etwas verändern
kann, ist diese Legislaturperiode wahrscheinlich fast herum.
Bis dahin könnte bei jedem Vorschlag aus der Community,
der Geld kosten würde, auf die laufende Enquetearbeit
verwiesen werden, in dem Tenor:Wir müssen erst
die Ergebnisse abwarten.
Ein Stillstand in der Migrationspolitik in Hessen für weitere
drei bis vier Jahre wäre eine große Gefahr. Ich bitte
Herrn Minister Hahn, gleich darauf einzugehen und zu sagen,
was er neben der laufenden Enquetearbeit real umzusetzen
gedenkt
Präsident Norbert Kartmann:
Wenn er denn da wäre.
Barbara Cárdenas (DIE LINKE):
– wenn er denn da wäre; gut, vielleicht kann auch ein anderer
später noch dazu Stellung nehmen –, außer sich nur
regelmäßig um den runden Tisch zum Religionsunterricht
zu versammeln, neue Modellregionen auszurufen, Preise
auszuloben, Schulen für ihre migrationspolitische Arbeit
auszuzeichnen,Ausländervereinen eine goldene Nadel an
die Brust zu heften usw. Ich habe seit einem halben Jahr in
der Vorbereitung dieses Vorhabens, eine Enquetekommission
einzusetzen, als migrationspolitische Sprecherin
der Fraktion DIE LINKE – trotz all dieser Befürchtungen
– bis heute verantwortungsvoll mitgearbeitet, was übrigens
von keiner Seite bestritten wird.
Wir haben uns in unserer Fraktion – trotz dieser Befürchtungen
– auf das Vorhaben eingelassen.Wir haben immer
wieder über die kritischen Punkte und Veränderungsvorschläge
der verschiedenen Fraktionen diskutiert, um den
Auftrag an die Enquetekommission über Fraktionsgrenzen
hinweg übereinstimmend zu formulieren. Es sollte
eben nicht darum gehen, Parteienhickhack in die Arbeit
der Sachverständigen hineinzutragen, sondern ihnen jedwede
Unterstützung und Freiheit zu geben, um die Voraussetzungen
für eine substanzielle und nachhaltige Arbeit
im Interesse einer erfolgreichen Integrationspolitik
zu schaffen.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Vorbereitungsgruppe hat jedes Mal wieder aufs Neue
ernsthaft um Formulierungen gerungen. Jede Fraktion –
besonders natürlich die Fraktionen mit den gegensätzlichsten
Positionen, also die Vertreter der CDU und der LINKEN,
Herr Bellino und ich – hat vor diesem gemeinsamen
Ziel auf eine Profilierung im Sinne weiter gehender unvereinbarer
Vorstellungen verzichtet. Umso mehr bedauere
ich es persönlich, dass die CDU augenscheinlich wieder
auf ihre altbekannte Methode der Ab- und Ausgrenzung
zurückgriff, als sie es ablehnte, einen gemeinsamen
Antrag mit der Linksfraktion einzubringen. Die drei anderen
Fraktionen haben sich dieser Verweigerung gebeugt,
und das enttäuscht mich ebenso sehr.
(Beifall bei der LINKEN – Zuruf des Abg.Willi van
Ooyen (DIE LINKE))
Also haben wir uns entschieden, den gemeinsam erarbeiteten
Antrag ebenfalls einzureichen, und zwar wortgleich
– nicht, wie von „hr-online“ heute wieder einmal falsch
dargestellt, als abweichenden Antrag –, um deutlich zu
machen, dass das Vorhaben Enquetekommission von der
Fraktion DIE LINKE trotz der vorhin dargestellten Einwände
mitgetragen wird.
Wie der Landtag mit diesen beiden Anträgen umgehen
will, das können wir sicherlich in Ruhe abwarten. Das Verhalten
der CDU zeigt ein ums andere Mal, dass sie nicht
fähig ist, sich auf der Ebene der Argumente zu bewegen:
Diffamierung und Ausgrenzung der LINKEN ist und
bleibt ihre vorrangige Politik.
(Beifall bei der LINKEN)
Aber vielleicht sollten wir eher dankbar sein, denn dieses
ausgrenzende Verhalten der CDU stellt das altbekannte
Muster wieder her, und das ist für jeden hier einfacher
und sicherer. Da muss man nicht nachdenken, keine Argumente
prüfen und sich nicht um seine Position bemühen,
wie es unter den so viel beschworenen hessischen
Verhältnissen der Fall war. Da weiß jede und jeder, wo sie
oder er hingehört, und kann nach vorn schauen, um zu
wissen, wie abzustimmen ist. Da weiß man nach der langen
Zeit der zufriedenstellenden inhaltlichen gemeinsamen
Arbeiten in der Vorbereitungsgruppe endlich wieder,
wo es langgeht. – Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der LINKEN)