Gemeinsames Lernen ist wichtig
Die Linke folgt laut Cárdenas im wesentlichen dem Entwurf der SPD-Fraktion. Gemeinsames Lernen sei ein zentraler Punkt der Schulpolitik.
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren!
Wir LINKEN begrüßen jegliche Bemühungen
der SPD, Änderungen im Hessischen Schulgesetz vorzunehmen,
die zu einer stärkeren Bildungsgerechtigkeit führen
können, vor allem wenn sie dazu beitragen, dass „die
vier ... benannten Problempunkte“ – UG+, Querversetzung,
Beteiligung der Eltern an den Schülerbeförderungskosten
und Richtwerte zur Klassenbildung – „durch entsprechende
Änderungen ... gelöst“ werden sollen, wie es
in dem Gesetzentwurf heißt. Allerdings denken wir, dass
das mit diesem Gesetzentwurf noch in keinster Weise der
Fall ist, und verlassen uns darauf, dass diesem ersten Gesetzentwurf
noch weitere folgen werden.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Machen Sie doch selber
eines!)
– Das ist durchaus auch möglich.
Insbesondere sehen wir die Veränderungsvorschläge zum
Thema UG+ als eine Rückkehr zu mehr Ehrlichkeit. Es
geht um die Klarstellung, dass mit den externen Kräften
vielleicht eine verlässliche Schulzeit garantiert werden
kann, was wir nicht geringschätzen wollen – denn die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf kommt dadurch ein
ganzes Stück voran –, aber doch nicht eine Unterrichtsgarantie
oder auch nur eine verbesserte Unterrichtsversorgung.
Wir begrüßen diese Änderungen auch deshalb, weil
unseres Erachtens durch die bisherige UG+ der gesamte
Berufsstand der Lehrer diskreditiert wurde, indem Unterricht
angeblich auch durch nicht qualifizierte Kräfte
durchgeführt werden konnte.
(Beifall bei der LINKEN)
Eine Querversetzung haben wir immer abgelehnt, von daher
hat die SPD auch hierbei unsere Unterstützung.
Ebenso bei der Streichung des § 161 Abs. 19, wo es um die
Beteiligung der Eltern an den Schülerbeförderungskosten
geht. Wir unterstützen den Vorschlag, sowohl Mindestwerte
bei den Klassengrößen als auch Zweizügigkeit
statt Vierzügigkeit bei den Gesamtschulen festzulegen,
um Klassenzusammenlegungen sowie Schulschließungen
zu vermeiden.
Zu Frau Henzler. Ich denke, dass das mit einer inneren
Differenzierung auch bei der Zweizügigkeit geht. Da ist
von den Lehrern und den Schulen einfach mehr gefordert,
was die innere Differenzierung anbelangt.
(Beifall bei der LINKEN)
Zu dem Antrag der GRÜNEN und später auch in Teilen
der FDP. Die Wiedereinführung des Begriffs der Durchlässigkeit
statt der Anschlussfähigkeit ist sinnvoll, vorausgesetzt,
es handelt sich auch hierbei nicht nur um eine
Sprachregelung, sondern es gelingt durch diese Gesetzesänderung
tatsächlich, den Grundsatz der Durchlässigkeit
zu gewährleisten, wie es die Änderung beabsichtigt. Natürlich
ist dabei auch die Anschlussfähigkeit erforderlich.
Zum Thema G 8. Sie kennen unsere Sichtweise:Wir wollen
zurück zu G 9.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): In der Ostzone gab es
auch G 8!)
Von daher ist der Vorschlag, den Gymnasialzweig an kooperativen
Gesamtschulen wahlweise fünf- oder sechsjährig
zu organisieren, ein erstes Zugehen auf die Rückkehr
zu G 9, aber von uns in dieser Form nicht zu unterstützen.
Diese Regelung verlangt von den Eltern, schon
bei ihren zehnjährigen Kindern zu entscheiden, ob sie ihnen
G 8 zumuten wollen oder nicht. Schulwegentscheidungen
in diesem Alter halten wir für falsch.Auch aus diesem
Grund treten wir für das längere Lernen ein. Die
sechsjährige Mittelstufe wäre für uns daher ein wichtiger
Schritt.
Mit der Wahl zwischen fünf- und sechsjähriger Mittelstufe
bzw. der Aufteilung von G 8 und G 9 auf die Gymnasien
und kooperativen Gesamtschulen können wir uns nicht
einverstanden erklären. Auch hier sollen die Eltern früh
eine Schulwegentscheidung fällen. Gesamtschulen für Benachteiligte
und Gymnasien für die Bildungselite – das
darf nicht auch noch verstärkt werden.An manchen Schulen
ist es schon so.
(Beifall bei der LINKEN – Lachen des Abg. Hans-
Jürgen Irmer (CDU))
Wir denken daher, dass wir im Ausschuss weiter beraten
und möglichst auch zu einem gemeinsamen Beschluss
kommen sollten, wie wir gemeinsames Lernen weiter voranbringen
können und durch individuelle Formen der
Flexibilisierung von Lernzeiten entsprechend den individuellen
Lernmöglichkeiten und den zu erreichenden Zielen
durch Überspringen von Klassen, fachbezogene Mitarbeit
in anderen Klassenstufen und anderes mehr allen
Schülern gerecht werden können. – Ich danke für Ihre
Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der LINKEN)