05.06.2008 Erhöhung der Referendariatsplätze

Herr Präsident, meine Damen und Herren!

 

Zu den beiden Punkten Lehrerausbildung und Referendariatsplätze

 

kurz Folgendes.

 

DIE LINKE begrüßt, dass die FDP die Lehrerausbildung

 

zum Thema macht. Dass hier Änderungsbedarf besteht,

 

sehen die meisten Fraktionen. Allerdings sind wir nicht

 

der Meinung, dass das zu reparierende Gesetz „mehr

 

Qualität und Leistungsorientierung“ der Lehrerausbildung

 

geschaffen hat.

 

Mehr Leistungsorientierung sicher – wenn wir damit euphemistisch

 

umschreiben wollen, dass der Stress und Leistungsdruck

 

aufgrund der gesicherten Mehrbelastung für

 

Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst deutlich zugenommen

 

haben.

 

(Zuruf des Abg. Mark Weinmeister (CDU))

 

An anderer Stelle beschreibt das auch die FDP.

 

Mehr Qualität? Das ist unseres Erachtens nicht der Fall.

 

Im Kontext des Bologna-Prozesses geht es darum, die

 

Ausbildungsinhalte so zu formalisieren, dass sie als klar

 

umrissene Einheiten europaweit austauschbar sind.

 

Aber nach Aussagen der GEW wollen sich 98 % der

 

Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst gar nicht nach Europa

 

bewerben, sondern hier an einer deutschen Schule gute

 

Arbeit machen.

 

(Zurufe der Abg. Hans-Jürgen Irmer und Mark

 

Weinmeister (CDU))

 

Es besteht die Absicht, durch vergleichbare Standards der

 

Module die Qualität der Lehrerausbildung zu verbessern.

 

Aber durch Standards sind viele konkrete Unterrichtssituationen,

 

in denen sich Lehrer im Vorbereitungsdienst

 

verhalten müssen, nicht zu beschreiben. So wird sich unseres

 

Erachtens die Qualität nicht verbessern.

 

(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Wie denn?)

 

Wir unterstützen, dass der Umfang des eigenverantwortlichen

 

Unterrichts zurückgenommen wird. Unseres Erachtens

 

sind auch andere Kritikpunkte durchaus berechtigt.

 

Nach unserer Auffassung ist es allerdings die Frage, ob es

 

sinnig ist, ein Gesetz zu reformieren, das sich durch ein

 

insgesamt falsches Verständnis von Qualität und Qualitätssicherung

 

auszeichnet. Darüber wird aber im Ausschuss

 

sicherlich noch zu reden sein.

 

Zur Erhöhung der Anzahl der Referendariatsplätze. Unseres

 

Erachtens muss Folgendes gesehen werden: Lehrkräfte

 

im Vorbereitungsdienst werden viel zu schlecht bezahlt.

 

Nur quantitativ mehr Referendariatsplätze zu

 

schaffen schreibt dieses Problem fort. Ich zitiere einen

 

Lehrer der GEW:

 

Inzwischen ist es hessenweit unbestritten, dass die

 

Lehrkräfte im Ausbildungs- und Vorbereitungsdienst

 

eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als

 

55 Stunden haben, und dies bei einem Salär von

 

etwa 1.000 c. Hintergrund ist die Ausweitung der

 

Ausbildung an den Studienseminaren in Modulen

 

um mehr als 30 %.

 

(Zuruf des Abg. Hans-Jürgen Irmer (CDU))

 

Da treffen sich die beiden Punkte.

 

Auf der anderen Seite ist die Ausbildung dieser Lehrkräfte

 

im Vorbereitungsdienst unterfinanziert und dadurch

 

– es gibt auch noch andere Gründe – qualitativ zu

 

schlecht.

 

(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Was schlagen Sie nun

 

definitiv vor? Da können Sie gleich Karl Marx zitieren!)

 

Ich zitiere Herrn Joachim Euler, Teamleiter des Referats

 

Aus- und Fortbildung der GEW Hessen: „Die wolffschen

 

Reformen waren und sind allesamt chronisch unterfinanziert,

 

rechtlich teilweise ziemlich umstritten, organisatorisch,

 

handwerklich miserabel gemacht und schließlich

 

von der Mehrheit der Betroffenen nicht akzeptiert.“

 

(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Was wollen Sie eigentlich?)

 

– Das werden wir im Ausschuss noch diskutieren, Herr Irmer.

 

(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Das können Sie auch

 

gleich vortragen!)

 

Hierzu nenne ich Ihnen einige Beispiele. Erstens. Es geht

 

beispielsweise um den rechtlichen Status der Ausbilderinnen

 

und Ausbilder. Dieser ist vollkommen unklar, und

 

zwar in Bezug auf alle Dimensionen, trotz einer sogenannten

 

Klarstellung per Erlass.

 

Zweitens. Die gesamte Arbeitszeitberechnung für die

 

Ausbilderinnen und Ausbilder ist ungeklärt. An jedem

 

Studienseminar existieren andere Verfahren, und es wird

 

anders errechnet.

 

Drittens. Nach wie vor sind ungefähr 75 % aller Ausbildungsleiterinnen

 

vom Unterricht freigestellt, obwohl sie

 

nach der Rechtsvorschrift in ihren Stammschulen im

 

Durchschnitt 8,5 Wochenstunden ableisten müssten. Der

 

Vorbereitungsdienst ist nach wie vor unterfinanziert,

 

denn die Finanzmittel blieben gleich, die modularisierten

 

Ausbildungsveranstaltungen wurden jedoch um 30 %

 

vermehrt. Mit dem vorliegenden Antrag schreiben wir

 

diese Situation fort – auch wenn wir mit unseren Stimmen

 

neue Stellen schaffen werden.Von einem vermeintlichen

 

Wettbewerb, gar von Qualität, kann daher gar keine Rede

 

sein.

 

Wir sollten noch in diesem Jahr eine gründliche Reform

 

der Lehrerausbildung vornehmen, die sowohl eine gerechtere

 

Bezahlung der Referendare als auch – das ist

 

nicht weniger wichtig – eine qualitativ bessere Ausbildung

 

auf notwendigerweise verbesserter materieller Grundlage,

 

also mit verbesserten Rahmenbedingungen, zum

 

Ziel hat.

 

(Beifall bei der LINKEN)

 

Wir werden diesem Antrag selbstverständlich zustimmen,

 

auch wenn wir wie üblich nicht gefragt wurden, sodass es

 

uns zuvor nicht möglich war, unsere Zustimmung zu geben.

 

– Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

(Beifall bei der LINKEN – Hans-Jürgen Irmer

 

(CDU):Wir machen nur etwas mit Demokraten!)