Herr Präsident, meine Damen und Herren!
Zu den beiden Punkten Lehrerausbildung und Referendariatsplätze
kurz Folgendes.
DIE LINKE begrüßt, dass die FDP die Lehrerausbildung
zum Thema macht. Dass hier Änderungsbedarf besteht,
sehen die meisten Fraktionen. Allerdings sind wir nicht
der Meinung, dass das zu reparierende Gesetz „mehr
Qualität und Leistungsorientierung“ der Lehrerausbildung
geschaffen hat.
Mehr Leistungsorientierung sicher – wenn wir damit euphemistisch
umschreiben wollen, dass der Stress und Leistungsdruck
aufgrund der gesicherten Mehrbelastung für
Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst deutlich zugenommen
haben.
(Zuruf des Abg. Mark Weinmeister (CDU))
An anderer Stelle beschreibt das auch die FDP.
Mehr Qualität? Das ist unseres Erachtens nicht der Fall.
Im Kontext des Bologna-Prozesses geht es darum, die
Ausbildungsinhalte so zu formalisieren, dass sie als klar
umrissene Einheiten europaweit austauschbar sind.
Aber nach Aussagen der GEW wollen sich 98 % der
Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst gar nicht nach Europa
bewerben, sondern hier an einer deutschen Schule gute
Arbeit machen.
(Zurufe der Abg. Hans-Jürgen Irmer und Mark
Weinmeister (CDU))
Es besteht die Absicht, durch vergleichbare Standards der
Module die Qualität der Lehrerausbildung zu verbessern.
Aber durch Standards sind viele konkrete Unterrichtssituationen,
in denen sich Lehrer im Vorbereitungsdienst
verhalten müssen, nicht zu beschreiben. So wird sich unseres
Erachtens die Qualität nicht verbessern.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Wie denn?)
Wir unterstützen, dass der Umfang des eigenverantwortlichen
Unterrichts zurückgenommen wird. Unseres Erachtens
sind auch andere Kritikpunkte durchaus berechtigt.
Nach unserer Auffassung ist es allerdings die Frage, ob es
sinnig ist, ein Gesetz zu reformieren, das sich durch ein
insgesamt falsches Verständnis von Qualität und Qualitätssicherung
auszeichnet. Darüber wird aber im Ausschuss
sicherlich noch zu reden sein.
Zur Erhöhung der Anzahl der Referendariatsplätze. Unseres
Erachtens muss Folgendes gesehen werden: Lehrkräfte
im Vorbereitungsdienst werden viel zu schlecht bezahlt.
Nur quantitativ mehr Referendariatsplätze zu
schaffen schreibt dieses Problem fort. Ich zitiere einen
Lehrer der GEW:
Inzwischen ist es hessenweit unbestritten, dass die
Lehrkräfte im Ausbildungs- und Vorbereitungsdienst
eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als
55 Stunden haben, und dies bei einem Salär von
etwa 1.000 c. Hintergrund ist die Ausweitung der
Ausbildung an den Studienseminaren in Modulen
um mehr als 30 %.
(Zuruf des Abg. Hans-Jürgen Irmer (CDU))
Da treffen sich die beiden Punkte.
Auf der anderen Seite ist die Ausbildung dieser Lehrkräfte
im Vorbereitungsdienst unterfinanziert und dadurch
– es gibt auch noch andere Gründe – qualitativ zu
schlecht.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Was schlagen Sie nun
definitiv vor? Da können Sie gleich Karl Marx zitieren!)
Ich zitiere Herrn Joachim Euler, Teamleiter des Referats
Aus- und Fortbildung der GEW Hessen: „Die wolffschen
Reformen waren und sind allesamt chronisch unterfinanziert,
rechtlich teilweise ziemlich umstritten, organisatorisch,
handwerklich miserabel gemacht und schließlich
von der Mehrheit der Betroffenen nicht akzeptiert.“
(Hans-Jürgen Irmer (CDU):Was wollen Sie eigentlich?)
– Das werden wir im Ausschuss noch diskutieren, Herr Irmer.
(Hans-Jürgen Irmer (CDU): Das können Sie auch
gleich vortragen!)
Hierzu nenne ich Ihnen einige Beispiele. Erstens. Es geht
beispielsweise um den rechtlichen Status der Ausbilderinnen
und Ausbilder. Dieser ist vollkommen unklar, und
zwar in Bezug auf alle Dimensionen, trotz einer sogenannten
Klarstellung per Erlass.
Zweitens. Die gesamte Arbeitszeitberechnung für die
Ausbilderinnen und Ausbilder ist ungeklärt. An jedem
Studienseminar existieren andere Verfahren, und es wird
anders errechnet.
Drittens. Nach wie vor sind ungefähr 75 % aller Ausbildungsleiterinnen
vom Unterricht freigestellt, obwohl sie
nach der Rechtsvorschrift in ihren Stammschulen im
Durchschnitt 8,5 Wochenstunden ableisten müssten. Der
Vorbereitungsdienst ist nach wie vor unterfinanziert,
denn die Finanzmittel blieben gleich, die modularisierten
Ausbildungsveranstaltungen wurden jedoch um 30 %
vermehrt. Mit dem vorliegenden Antrag schreiben wir
diese Situation fort – auch wenn wir mit unseren Stimmen
neue Stellen schaffen werden.Von einem vermeintlichen
Wettbewerb, gar von Qualität, kann daher gar keine Rede
sein.
Wir sollten noch in diesem Jahr eine gründliche Reform
der Lehrerausbildung vornehmen, die sowohl eine gerechtere
Bezahlung der Referendare als auch – das ist
nicht weniger wichtig – eine qualitativ bessere Ausbildung
auf notwendigerweise verbesserter materieller Grundlage,
also mit verbesserten Rahmenbedingungen, zum
Ziel hat.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir werden diesem Antrag selbstverständlich zustimmen,
auch wenn wir wie üblich nicht gefragt wurden, sodass es
uns zuvor nicht möglich war, unsere Zustimmung zu geben.
– Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der LINKEN – Hans-Jürgen Irmer
(CDU):Wir machen nur etwas mit Demokraten!)